Die historische Kapelle auf dem Martinshof


Die Martinskapelle ist eng verwoben mit der Geschichte des Hofs. Es wird vermutet, dass die Kapelle kurz nach der Schenkung des Hofs an das Kloster Alpirsbach hinzukam. Die Mönche benötigten einen Rückzugsort, um ihren Glauben ungestört ausleben zu können und erbauten diese Kapelle zu Ehren des heiligen Sankt Martin. Diese Hofkapelle nutzten die Mönche dann für ihre täglichen Gebete.

Die Martinskapelle, die noch heute auf dem Martinshof steht, stammt vermutlich aus der späten Barockzeit. Seitdem wurde die Kapelle schon dreimal von den bisherigen Hofbesitzern saniert. Nun steht sie wieder allen Menschen für besondere Ereignisse und Feierlichkeiten zur Verfügung.

Eine Kapelle zu Ehren von Sankt Martin

Der Martinshof bei Fischerbach wurde im frühen 12. Jahrhundert von Friedrich und Arnold von Wolfach an das Kloster Alpirsbach geschenkt. Die Herren von Wolfach waren sehr um das Seelenheil ihrer selbst sowie ihrer Vor- und Nachfahren bemüht, weshalb sie ihren Besitz dem noch jungen Kloster Alpirsbach stifteten. Vermerkt ist der Hof in einer Schenkungsurkunde von 1139 als "Praedium Vischerbac".

Es muss zu dieser Zeit gewesen sein, als von den Mönchen eine erste Kapelle erbaut wurde. Sie benötigten diesen Rückzugsort, um auf dem Martinshof in Ruhe ihre Gebete aufsagen und ihren Glauben ausleben zu können. Wie jede Kapelle benötigte auch dieser einen Schutzpatron. Da im Alpirsbacher Kloster der heilige Martin sehr verehrt wurde, erwählten die Mönche ihn zum Namensgeber der Hofkapelle.

Die Martinskapelle wird auf diese Weise vermutlich namensgebend für den gesamten Hof gewesen sein. In einer Urkunde von 1277 ist bereits von "dem hove ze Santa Martin ze Vischerbac" die Rede. Die Geschichte der Kapelle reicht also sehr wahrscheinlich bis mindestens ins 13. Jahrhundert zurück.

Die Martinskapelle der Gegenwart

Heute, etwa 900 Jahre später, steht auf dem Martinshof noch immer eine Martinskapelle. Allerdings handelt es sich bei dieser nicht mehr um die alte. Die könnte vor einiger Zeit an anderer Stelle abgebrannt sein, da im 18. Jahrhundert ein Blitzeinschlag auf dem Hof einen großen Brand ausgelöst haben soll. Die Grundmauern der alten Hofkapelle ließen sich - wenn überhaupt - nur noch mithilfe archäologischer Ausgrabungen finden.

Die "neue" Martinskapelle wurde mutmaßlich Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut: Der schlichte Barockstil der knapp 13m hohen, 7m langen und mehr als 5m breiten Kapelle soll laut dem Baden-Württembergischen Landesamt für Denkmalpflege darauf schließen lassen. Eine Gravur des Baudatums an der Kapelle haben die bisherigen Hofbesitzer jedenfalls vergebens gesucht.

Die Inneneinrichtung der Martinskapelle

Vieles von der Inneneinrichtung der Martinskapelle dürfte nicht mehr dem ursprünglichen Stand vom 18. Jahrhundert entsprechen. Es sind nämlich insgesamt drei Renovierungen dokumentiert: Die erste Renovierung nahm Karl Kohmann im Jahr 1890 vor, eine weitere sein Enkel Augustin nach dem 2. Weltkrieg und die bisher letzte der Urenkel Andreas im Jahr 1992.

Wenn wir heute den Eingang der Martinskapelle durchschreiten, erblicken wir mit dem kleinen Altar sofort das Herzstück der kleinen Kapelle. Eine niedrige Holzsbalustrade mit kleiner Holztür in der Mitte grenzt diesen Altarbereich vom Rest der Kapelle ab.
Altargemaelde und Figuren Martinskapelle

Der zentrale Altar

Auf dem Gemälde über dem Altar ist die christliche Legende vom heiligen Martin festgehalten. Sankt Martin zweiteilt seinen Mantel und schenkt die eine Hälfte einem armen Bettler.

Gerahmt wird das Bild von vier Holzskulpturen auf Steinsockeln. Links oben befindet sich der Heilige Florian, Schutzpatron gegen Feuer, rechts oben der Pestheilige Sebastian, Patron der Brunnen, links unten die Heilige Katharina, Patronin der Lehre und rechts unten der Heilige Wendelin, Patron der Tiere.

Die Heiligenfiguren auf dem Altar werden vor allem von der katholischen und orthodoxen Kirche verehrt. Allerdings sind diese Skulpturen nicht mehr die Originale aus der Bauzeit der heutigen Martinskapelle. Denn diese verschwanden irgendwann nach dem 2. Weltkrieg oder wurden gar entwendet. 1966 hat deswegen der damalige Hofbauer Andreas Kohmann neue Figuren in der Kapelle platziert.

Links und rechts vom Altar befinden sich auf kleinen Holzplattformen vier weitere Heiligenfiguren. Diese stellen Josef von Nazaret, die Jungfrau Maria und Jesus selbst in mehreren Lebensphasen dar. Ob es sich bei diesen um die ursprünglichen Figuren handelt, ist nicht gesichert.

Schweift unser Blick vom Altarbereich weiter nach oben, finden wir direkt darüber ein Deckengemälde mit einem beliebten und oft genutzten christlichen Motiv: Die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten. Dieses Gemälde stammt aus dem Jahr 1950 und ist wahrscheinlich im Zuge der zweiten Renovierungsarbeiten hinzugekommen. Der Hausacher Künstler Eugen Falk-Breitenbach (* 1903, + 1979) hat dieses Kunstwerk gemalt.
Martinskapelle Deckengemälde

Das Deckengemälde

Das Bild zeigt die heilige Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten. Es ist eine Erzählung aus der Kindheit Jesu, die im Matthäusevangelium überliefert ist. Demnach erschien Josef im Traum ein Engel, der ihm diese Flucht befahl - denn der Klientelkönig Herodes habe den neugeborenen Jesus von Nazaret töten wollen.

Die Flucht ist eine der Sieben Schmerzen Mariens und ist am 15. September der Gedenktag eines jeden Kirchenjahrs.

In der Martinskapelle wurden schon seit einigen Jahre keine Messen oder Gottesdienste mehr abgehalten. Dabei gehörte es eigentlich zur guten Tradition, dass zumindest am Martinstag jährlich ein Gottesdienst stattfand. Auf den insgesamt sechs Holzbankreihen der Kapelle haben dann zwischen 30 und 40 Menschen Platz nehmen können.

Diese alte Tradition soll mit den neuen Besitzern zurückkehren. Auch Neues will die Familie Reimold etablieren: Die Kapelle soll allen Menschen zur Verfügung stehen, die für ihre Hochzeit, für Segnungen oder andere kirchlichen Anlässe einen geeigneten Rahmen suchen. Interessierte können die Besitzer hier direkt kontaktieren.